Heute war der große Tag.
Marathon Nummer 4 insgesamt und 3 in diesem Jahr.
27th Athens Classic Marathon 2009
Das wars auch fürs Erste, wenn ich nicht wenigstens nochmal 10kg wieder abnehme (die ich quasi schon mal weg hatte, aber den ~80kg-Status halten ist beschissen anstrengend) werd ich da mit meinen Resultaten nicht zufriedengestellt.
Das schlimme ist jetzt eigentlich nur: so schlecht wars insgesamt nicht.
Es war schon Scheiße, klar, aber ich war, egal wie man es dreht und wendet, knapp überdurchschnittlich.
1684/3681 (Men/Women, all ages)
0469/1086 (Men/Women, under 35)
0403/0860 (Men, under 35)
1543/3114 (Men, all ages)
Zum Lauf:
Als ich um 6.20 Uhr heute morgen mein Hotelzimmer verlassen habe, war es etwas windig, aber trocken und für halb 7 angenehm warm, nicht eiskalt, nicht heiß.
Als ich in der Lobby angekommen bin hat es geregnet. Ich war nur 3 Minuten unterwegs. Alles naß. Aber die Taxen waren schon da. Eigentlich hätten wir (drei andere aus meinem Hotel sind auch gelaufen, mit denen wollte ich mir mein Taxi teilen, da ich aber auf griechische Art bebaut habe, daß die uns eh nur ein Taxi schicken, wenn sie vier Leute gleichzeitig zum selben Ziel bringen sollen, habe ich es nicht storniert. Der Kerl wollte sich dann auch nicht mit 5 Euro für die Anfahrt zufieden geben und bei beiden Taxen liefen schon seit Eintreffen die Zähler. Daß die Ärsche eher als halb sieben da waren, daß das Scheiße ist, alles klar. Aber das ganze rumgezetere hat nichts gebracht und ich wollte den anderen nicht eine höhere Rechnung einbrocken, daher bin ich dann doch mit einem eigenen Taxi gefahren.)
Am Ziel der Fahrt, dem Marathon-Platz, Mahnmal, wasauchimmer, hat es immer noch geregnet. Immerhin haben die Volounteers solche Plastikdinger zum überziehen, quasi Mülltüten, ausgegeben. Es gab auch Wasser zu trinken und 100 stets belegte mobile Toiletten. Und sehr laut Musik. Wenn man über eine matschige Wiese gegangen ist konnte man auch den Kleiderbeutel in einem der schlecht beschrifteten LKW abgeben.
Athen ist nicht Tokzo. Da musste ich dran denken.
Dank der tollen griechischen Straßen hat sich das (immer noch fallende) Regenwasser schön in 5cm tiefen und etliche Quadratmeter großen Pfützen gesammelt.
Auf den ersten 22km gab es geschätzt 1000 Zuschauer und Null animation. Die meisten Zuschauer waren Scheibenputzer aus der Dritten Welt, denen ich das sogar richtig hoch anrechne. Die könnten ja auch in ihren Hütten und Bauten sitzen bleiben und Radio hören. Aber mal nasse weisse Frauen in enger (habe ich schon gesagt daß es geregnet hat) Kleidung rennen sehen ist ein Grund rauszukommen.
Während ich das hier schreibe sitze ich im Foyer, der Lobby meines Hotels, im Zimmer ist das WLAN schlecht und das Kabelnetzwerk nicht gut. Am liebsten würde ich ja im Starbucks sitzen. Aber egal. Jetzt spielt für Kreuzfahrtreisende, die mit dem Schiff angekommen sind, ein Alleinunterhalter an seinem elektrischen Piano gerade The Girl from Ipanema. Schön. Oh, und die Frau von der Rezeption hat mir eben das Licht hochgedimmt, jetzt nimmt sie es wieder weg, weil ich skeptisch gekuckt habe.
Okay, zum Lauf:
es hat geregnet, was okay ist, aber die Schuhe werden naß, was nicht okay ist. Stichwort Blasen an den Füßen, ab Kilometer 11, rechter Fuß, kleiner Fußzeh, vorderer Ballen und dazu das schwammige Gefühl zwischen den Zehen.
Es geht auch ab km5 etwa beständig den Berg hoch. Oft nur ein bisschen, aber auf Dauer zerstörerisch. Ab km31 sollte es hauptsächlich wieder runter gehen, oder flach bleiben. Ab km31 war ich aber so kaputt und hatte Fußschmerzen, dazwischen ab und an mal ein Stechen, immer nur kurz, im rechten Knöchel. Die Knie haben erstaunlich gut gehalten.
Ab km33 glaube ich, habe ich öfter mal ein paar hundert Meter gehend zurückgelegt. Ich bin nie stehen geblieben! Ich habe mich nicht hingesetzt oder sonstwas, ich wäre liebend gerne bei dem Starbucks eingekehrt und hätte mich eine Stunde lang mit einem Perry Rhodan-Heftchen beschäftigt, ein oder zwei Kapitel aus Murakamis Laufbuch gelesen (gestern nacht habe ich mir nochmal das Kapitel über seinen ersten Marathonlauf, vom Stadion nach Marathon durchgelesen. In die Richtung ist das bestimmt ein schöner, einfacher Lauf. Tote Hunde und Katzen gabs aber bei mir keine, obwohl ich gestern einen umgelegt hätte, wenn ich irgendwas gehabt hätte, um das Biest abzustechen oder zu erschlagen.)
Aber habe ich nicht.
Durch den Energiegewinn, weil ich schwierige Anstiege und manche Abstiege gehend hinter mich gebracht habe, konnte ich ab km 38 oder 39 durchlaufen. Noch kurz mit zwei Mädels aus Berlin geschwätzt, und weiter. Und obwohl ich mir ganz fest vorgenommen hatte, ganz locker ins Ziel einzulaufen, ins alte (das von 1896) Olympiastadion bin ich noch leger reingejoggt, hat mich dann der Ehrgeiz gepackt, als so ein Spanier rechts an mir vorbeeigeflitzt ist und einen derben Endspurt hingelegt hat. Hinlegen wollte. Erstens hab ich ihn kassiert, dabei gebrüllt wie ein Haluter bei der Drangwäsche und ausgesehen wie Melbar Kasom, wenn ihm jemand Essen wegnimmt, und zweitens hat er zu früh angefangen. für 300 Meter haben seine Kräfte nicht mehr gereicht. Für meine 150 Meter schon. Danach war ich fertig für ne Grube auf dem Friedhof bei Pallini (oder so, irgendwo ist da einer, aber eigentlich will ich nicht in diesem Land unter die Erde kommen, in Japan sehr gerne, siehe Reiseunfallversicherung).
Der Nach-Ziel-Bereich war in Athen so beschissen wie der Rest des Laufs, organisatorisch gesehen. Vielleicht ist es ja sinnvoll 0,5 Liter Flaschen stilles Wasser zu verteilen statt 0,2 Liter Becher, die nicht ganz voll sind. Die meisten, ich auch, haben nach 100 bis 200 ml die Flasche weggeworfen. Bei den Isodrinks das gleiche. Bananen gabs nur an zwei Ständen, davon hätte ich noch eine dritte haben wollen, natürlich nur ein Stück, keine ganze. Der erste Bananenstand hat noch inSchale steckende halbe Bananen verteilt. Großer Spaß die dann auch noch zu schälen. Und jetzt trifft der Comic aus dem aktuell am Kiosk liegenden Playboy (hab ich nur reingekuckt um mir die Artikelübersicht anzusehen, und wegen der Mainzerin als Playmate, man muß ja wissen mit wem man es zu tun hat).
Nach dem Ziel gabs erstmal Wasser, aber Decken um sich warm zu halten erst später. Der gesamte Nach-Ziel-Bereich, in Köln immerhin etwa ein Kilometer plus die Halle zum umziehen, Beutelausgabe etc. waren hier 200 Meter. Eine halbe Runde durchs Stadion und kurz danach. Auch bescheuert: die Chiprücknehmer/innern haben kein Messer oder ne Zange, um Kabelbinder aufzutrennen. Seit Tokzo flechte ich mir den Chip nicht mehr in den Schnürsenkel, Kabelbinder rult!
Die Changing Rooms Man und Women waren jeweils ein(!!!) 3×3 oder 4×4 Meter Partyzelt. Für die Damen ebenso mit Sichtfenstern wie für die Herren. Mir wars jetzt auch egal ob mich jemand anstarrt, aber bei Frauen ist es doch etwas anders. Natürlich härtet man (also sie) da auch ab, aber doof isses schon. Vor allem der Gestank in diesen Zelten (ich kann nur für das Herren-Zelt sprechen, aber bei den Damen dürfte es nur unwesentlich milder gerochen haben), ich wäre fast umgefallen.
Auch schön: um sich umziehen zu können musste man erst durchs Exit raus zum Kleider-LKW, dann wieder rein und konnte sich umkleiden. Duschen habe ich keine gefunden, Handtuch hatte ich eh nicht dabei. Meine Konstruktion um drei Scheiben Toilettenpapier und 150 € Bargelb trocken zu halten (separat) hat jedoch sehr gut funktioniert, dazj demnächst einen Werkstattbericht. Nachdem ich neue Unterwäsche und einen langen Sportanzug angezogen hatte, habe ich mich noch knapp zwei Stunden am Exit des Panathinaikon mit einer solchen silbernen Decke auf den Marmor gelegt und Sonnenenergie gezapft. Irgendwo dazwischen kamen drei der vier Läufer aus meinem Hotel, haben mit mir gesprochen. Ich wollte mich ihnen anschliesen, aber einer von ihnen war noch zur medizinischen Behandlung oder so. Ich hatte aber mein Perry-Heft (seltene zweite Auflage aus den späten 60ern/frühen 70ern von Heft 258) dort liegen lassen. Also wieder zurück, gefunden und gerade wieder dazugelegt. Da mir niemand sagen konnte, wo es zur nächsten U-Bahnhaltestelle geht (ausschildern ist ja auch blöd) bin ich meinem Armbandnavi gefolgt und habe mich zum nächstgelegenen Starbucks führen lassen. Dessen Koordinaten habe ich mir gestern mühsam aus Google Earth extrahiert (händisch!) und eingegeben. Ich wurde zum Hard Rock Café geführt. Haben die was miteinander zu tun? HRC ist aber vom bösen, Beispiele kann ich liefern, deshalb habe ich (oh, jetzt spielt der Musikmann Guantanamera) einfach den nächsten aufgerufen und bin die 600 Meter Luftlinie in etwa 1300 Metern zu Fuß gegangen. Da ich dort allerdings Donnerstag schon rumgelaufen war, wollte ich nicht glauben, daß es dort eine Starbucks-Filiale gibt. Andere Seite vom Haus! Toll, ein echt schöner Laden, sehr hohe Decken, eine halbe zweite Etage, tolle Sessel, ein Traum. Und ein Tall Brewed Coffee und zwanzig Seiten Perry 258. Besser wirds mir nicht mehr heute.
Mit der U-Bahn, die von dort nur 500 Meter oder so entfernt war, konnte ich dann zu einer mir bekannten Station fahren und von dort habe ich, statt wieder eine Stunde auf den verkackten Bus zu warten, ein Taxi genommen. Kostet mehr, aber ein Leihwagen wäre noch teurer gekommen. Trotzdem kriegt mein Reisebüro morgen was zu hören. Ich wollte schlieeßlich ein Hotel in Athen, nicht irgendwo 20km vor Athen. Vom Musikmann darf ich aber nichts sagen, sonst sind meine anderen Argumente ein bisschen entkräftet.
Jetzt ist wohl 20 Uhr in Deutchland, ob ich hier mal probieren soll die Tagesschau zu streamen? Die neue Episode der Lokalnachrichten aus Mainz ist sicher noch nicht online.
My Heart will go on, ein tolles Lied und passt zum Tag. Girls on Film habe ich im Hard Rock Café auf einem schlechten LCD sehen können, auch tolles Lied, wo ich gerade neulich mit jemandem darüber gesprochen hatte.
Edit: Was vergessen:
NB 769 / 44km / 08.11.2009
(Strangers in the Night oder Groovy Kind of Love, bin mir niccht sicher, so gut ist er doch nicht. Vielleicht sollte ich ihn doch erwähnen. 70% Strangers mit Einflüssen.)


